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Berechnung von Spundwänden — Einbindetiefe, Ankerkraft, Moment

Spundwände (Stahlspundbohlen, überschnittene Bohrpfahlwände, Ortbeton-Schlitzwände oder Berliner Verbau) sind flexible Stützkonstruktionen, die zwischen einer Einbindetiefe unter der Baugrubensohle und einer oder mehreren Ankerlagen auf Biegung beansprucht werden. Dieser Rechner liefert die Einbindetiefe d, die Ankerkraft T und das maximale Biegemoment M, das für die Bemessung des Profilquerschnitts oder der Bewehrung verwendet wird. Angewendet wird die klassische Methode des freien Auflagers (free earth support), Standard nach DIN 1054 für Baugruben in Sand und bindigen Böden mit einer Aussteifungsebene.

Was ist das und wann wird es angewendet?

Eine verankerte Wand hat zwei Erddruckzonen: Oberhalb der Baugrubensohle wirkt der aktive Erddruck des Hinterfüllmaterials (Pa), und unterhalb der Sohle wirkt der passive Erddruck des Bodens vor der Wand (Pp), der durch die Tendenz der Wand zur Rotation mobilisiert wird. Die Methode des freien Auflagers geht davon aus, dass der Wandfuß frei rotieren kann, sodass der Entwurf durch das Momentengleichgewicht um den Ankerpunkt definiert wird. Angewendet wird sie bei innerstädtischen Baugruben (Tiefgaragen, U-Bahn-Bauwerke, Turmgründungen), Hafenmolen mit Spundbohlen und tangierenden Pfahlwänden in rolligen oder bindigen Böden mit kontrolliertem Wasserandrang.

Angewandte Formeln

Aktiver Erddruck über die Gesamthöhe H + d:

Pa = 0,5 · Ka · γ · (H + d)²

Passiver Erddruck unter der Sohle (Bereich d):

Pp = 0,5 · Kp · γ · d² · (1/FS)

Einbindegleichung (Methode des freien Auflagers): ΣM um den Anker = 0, ergibt d

Ka·γ·(H + d)³/3 · [(H + d)/3 − e] = Kp·γ·d²/(2·FS) · (H + d − 2·d/3 − e)

wobei e = Ankertiefe ab Wandkopf, FS = Sicherheitsbeiwert für den passiven Erddruck (üblich 1,5 bis 2)

Ankerkraft (horizontaler Gleichgewicht): T = Pa − Pp

Maximales Moment: tritt in der Tiefe auf, wo V = 0 (Querkraft Null), etwa bei 0,55·(H + d) ab Wandkopf

M_max ≈ T · e − 0,5 · Ka · γ · z² · (z/3), mit z durch iterative Suche ermittelt

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Geben Sie Aushubtiefe, Einbindetiefe und Bodeneigenschaften ein, um Pa, Pp, FS der Einbindung und Ankerkraft zu erhalten.

Vereinfachte Analyse einer kopfverankerten Wand. FS_Einbindung ≥ 1,5 üblich. Für freistehende Wände FS ≥ 2,0 prüfen.

Berechnungsbeispiel

Aushub 7 m für Tiefgarage — innerstädtisches Wohngebiet
ParameterWert
Aushubtiefe H7,0 m
Ankertiefe e (ab Wandkopf)1,5 m
γ verdichteter Sand18 kN/m³
Reibungswinkel φ32°
Wand-Boden-Reibung δ0 (Rankine, konservativ)
Ka = tan²(45 − φ/2)0,307
Kp = tan²(45 + φ/2)3,26
FS auf Kp1,5
GrundwasserstandNicht angetroffen (trockene Baustelle)

Iteration der Einbindetiefe d: Wir probieren d = 3,0 m. Gesamthöhe L = H + d = 10 m. Aktiver Erddruck Pa = 0,5 · 0,307 · 18 · 10² = 276,3 kN/m, angreifend bei L/3 = 3,33 m ab Sohle. Reduzierter passiver Erddruck Pp = 0,5 · (3,26/1,5) · 18 · 3² = 0,5 · 2,173 · 18 · 9 = 176,1 kN/m, angreifend bei d/3 = 1,0 m ab Sohle. Wir bilden Momente um den Anker (1,5 m unter Kopf, d.h. bei L − 1,5 = 8,5 m ab Sohle): MPa = 276,3 · (8,5 − 3,33) = 276,3 · 5,17 = 1.428 kN·m/m. MPp = 176,1 · (8,5 − 1,0) = 176,1 · 7,5 = 1.321 kN·m/m. Verhältnis: 1.428 > 1.321 → d erhöhen. Wir probieren d = 3,3 m: L = 10,3; Pa = 0,5·0,307·18·10,3² = 293,3 kN/m; Pp = 0,5·2,173·18·3,3² = 213,1 kN/m; MPa = 293,3·(8,8 − 3,43) = 1.575; MPp = 213,1·(8,8 − 1,1) = 1.641. Konvergiert bei d ≈ 3,25 m. Wir wählen d = 3,3 m aus baupraktischen Gründen. Mit L = 10,3 m: Pa = 293,3 kN/m, Pp = 213,1 kN/m. Ankerkraft T = Pa − Pp = 293,3 − 213,1 = 80,2 kN/m. Geschätztes maximales Moment (z ≈ 0,55·L = 5,7 m ab Kopf): M_max ≈ T·(5,7 − 1,5) − 0,5·0,307·18·5,7²·(5,7/3) = 80,2·4,2 − 0,5·0,307·18·32,5·1,9 = 336,8 − 170,6 = 166,2 kN·m/m.

Ergebnis: d = 3,3 m · T = 80,2 kN/m · M_max ≈ 166 kN·m/m (bemessungsrelevant für den Wandquerschnitt).

Interpretation der Ergebnisse

Die Einbindetiefe d = 3,3 m entspricht 47 % von H, ein typischer Wert für Spundwände in Sand mit einer Ankerlage. Bei anstehendem Grundwasser würde d um 30-50 % zunehmen aufgrund des zusätzlichen hydrostatischen Drucks, und es wäre ein Drainagesystem hinter der Wand zu planen. Die Ankerkraft T = 80 kN/m wird auf vorgespannte Litzenanker im Abstand von 2-3 m verteilt, abhängig von der Systemsteifigkeit. Das Moment M_max bemisst das erforderliche Widerstandsmoment des Profils (Spundbohle) oder die Bewehrung der Betonwand. Beide Werte gelten pro laufendem Meter Wand.

Referenznormen

Häufig gestellte Fragen

Freies oder festes Auflager?

Freies Auflager (free earth support) geht von einer freien Rotation des Fußes aus und ist einfacher und konservativer. Festes Auflager (fixed earth support) nimmt eine Einspannung des Fußes an und führt zu geringerem d, aber größerem M. Die moderne Praxis verwendet das freie Auflager in bindigen Böden und lockeren Sanden; festes Auflager nur in sehr dichten Sanden und sehr steifen Wänden. Rowe (1952) schlug einen Momentenreduktionsbeiwert für das feste Auflager vor, der M um 30-50 % senken kann.

Wann benötige ich mehrere Ankerlagen?

Faustregel: eine Ankerlage für H ≤ 6-8 m; zwei Lagen für H = 8-15 m; drei oder mehr für H > 15 m. Bei mehreren Lagen wird eine Durchlaufträgeranalyse durchgeführt, üblicherweise mit Software (Plaxis, PLAXIS 2D, SAP2000 mit Bodenfedern). Jede Lage reduziert das Biegemoment der vorherigen.

Welche Ankertypen gibt es?

Aktive Anker (vorgespannt): Stahllitzenanker mit Zementinjektion, typische Vorspannkraft 300-800 kN/Anker; am häufigsten verwendet. Passive Anker (Bodenvernagelung, soil nailing): kurze Stäbe ohne Vorspannung, nutzen die Kohäsion des Bodens und sind wirtschaftlicher für temporäre Wände. Stahlspundbohlen verwenden meist aktive Anker am Kopf und passive Reibung in der Einbindung.

Wie überprüfe ich die Gesamtstandsicherheit?

Zusätzlich zur lokalen Bemessung (Moment, Querkraft, Ankerkraft) ist die Gesamtstandsicherheit des Keils Boden-Wand-Anker durch eine Standsicherheitsanalyse nach Kranz oder das modifizierte Bishop-Verfahren zu überprüfen, unter Berücksichtigung der gesamten Ankerlinie bis zum Verpresskörper. Globaler FS ≥ 1,5 im statischen und ≥ 1,1 im seismischen Fall, gemäß DIN 1054.

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