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Erddruckberechnung — Theorie nach Rankine

Die Theorie nach Rankine (1857) ist die klassische Formulierung zur Berechnung des Erddrucks, den ein Boden auf Stützkonstruktionen ausübt. Dieser Rechner liefert die aktiven (Ka) und passiven (Kp) Erddruckbeiwerte, den Gesamterddruck und das Moment an der Mauerbasis unter Berücksichtigung der Hinterfüllungshöhe, der Geländeoberflächenneigung (β), der Kohäsion (c) und des Grundwasserspiegels. Sie ist der Ausgangspunkt jeder Stützmauerbemessung im Hochbau, Straßenbau und Tiefbau.

Was ist das und wann wird es angewendet?

Rankine nimmt an, dass die Mauer vertikal ist, die Hinterfüllung eine ebene Oberfläche mit der Neigung β zur Horizontalen aufweist, keine Reibung zwischen Mauer und Boden herrscht und der Bruchzustand durch Plastifizierung des Bodens erreicht wird. Unter diesen Annahmen liefert es Ka (aktiver Erddruck, wenn die Mauer nachgibt) und Kp (passiver Erddruck, wenn die Mauer gegen den Boden drückt). Es wird angewendet bei Schwergewichtsmauern, Kragstützmauern mit lockerer Hinterfüllung, Brückenwiderlagern mit gleichmäßiger Hinterfüllung und Kelleraußenwänden mit horizontaler Hinterfüllung. Bei von der Vertikalen abweichender Mauerneigung oder erheblicher Mauer-Boden-Reibung wird Coulomb verwendet.

Angewandte Formeln

Aktiver Erddruck (horizontale Hinterfüllung, ohne Kohäsion):

Ka = tan²(45° − φ/2) = (1 − sin φ) / (1 + sin φ)

Passiver Erddruck: Kp = tan²(45° + φ/2) = 1/Ka

Rankine mit Böschungsneigung β in der Hinterfüllung:

Ka = cos β · (cos β − √(cos²β − cos²φ)) / (cos β + √(cos²β − cos²φ))

Gesamter Erddruck (trockene Hinterfüllung, Höhe H):

Pa = 0,5 · γ · H² · Ka; Pp = 0,5 · γ · H² · Kp

Mit Kohäsion: aktive Erddruckspannung σa = γ·z·Ka − 2·c·√Ka (Zugriss bis zc = 2c / (γ·√Ka))

Mit Grundwasser in Tiefe d: unterhalb d, γ durch γ' = γsat − γw ersetzen und hydrostatischen Druck u = γw · (z − d) hinzufügen

Online berechnen

Geben Sie φ, γ und H ein, um Ka, Kp, aktive/passive Erddrücke und eine Überprüfung der Sicherheitsbeiwerte gegen Kippen/Gleiten zu erhalten. Die angewendeten Sicherheitsbeiwerte entsprechen der rechts ausgewählten nationalen Norm.

Sicherheitsbeiwerte gegen Kippen und Gleiten gemäß der Norm des ausgewählten Landes.

Berechnungsbeispiel

Eingabedaten — Kellerstützmauer, Gebäude in städtischem Wohngebiet
ParameterWert
Mauerhöhe H4,0 m
Wichte γ19 kN/m³
Reibungswinkel φ32°
Kohäsion c0
Geländeoberflächenneigung β0° (horizontal)
GrundwasserspiegelNicht festgestellt
Gleichlast q auf der Mauerkrone10 kPa (Fußgängerverkehr)

Mit φ = 32°: Ka = (1 − sin 32°) / (1 + sin 32°) = (1 − 0,530) / (1 + 0,530) = 0,470 / 1,530 = 0,307. Kp = 1/0,307 = 3,26. Erddruck aus Eigengewicht der Hinterfüllung: Pa1 = 0,5 · 19 · 4² · 0,307 = 0,5 · 19 · 16 · 0,307 = 46,7 kN/m. Erddruck aus Gleichlast (entspricht einer gleichmäßigen Spannungserhöhung σ = q·Ka über die Höhe): Pa2 = q · Ka · H = 10 · 0,307 · 4 = 12,3 kN/m. Gesamter Erddruck Pa = 46,7 + 12,3 = 59,0 kN/m. Angriffspunkt: Pa1 wirkt bei H/3 = 1,33 m ab Basis; Pa2 wirkt bei H/2 = 2,0 m. Moment an der Basis M = 46,7 · 1,33 + 12,3 · 2,0 = 62,1 + 24,6 = 86,7 kN·m/m.

Ergebnis: Ka = 0,307 · Kp = 3,26 · Pa = 59,0 kN/m · M = 86,7 kN·m/m.

Interpretation der Ergebnisse

Die Mauer muss so bemessen werden, dass sie Pa = 59 kN/m in horizontaler Richtung und M = 87 kN·m/m als Kippmoment widersteht, zusätzlich zur Überprüfung auf Gleiten und Grundbruch. Der passive Erddruck Kp stellt eine Reserve für den Gleitwiderstand dar, wird aber in der Regel auf 1/2 oder 1/3 seines theoretischen Wertes begrenzt, da für seine vollständige Mobilisierung große Verschiebungen erforderlich sind. In Erdbebengebieten (DIN EN 1998-5) wird die Komponente nach Mononobe-Okabe hinzugefügt.

Referenznormen

Häufig gestellte Fragen

Wann verwende ich Rankine und wann Coulomb?

Rankine: vertikale Mauer, geneigte Hinterfüllung β, keine Mauer-Boden-Reibung. Coulomb: geneigte Mauer, Mauer-Boden-Reibung δ ≠ 0, allgemeiner. In der Praxis ist Coulomb realistischer, da die Mauer-Boden-Reibung den aktiven Erddruck um 5-15 % reduziert. Rankine ist konservativ.

Kann ich Kohäsion beim aktiven Erddruck verwenden?

Ja, aber bis zu einer Tiefe zc ist der Erddruck theoretisch negativ (Zug). In der Praxis wird dieser Abschnitt vernachlässigt, da der Boden durch Austrocknung oder jahreszeitliche Einflüsse reißt. Es wird empfohlen, den Erddruck so zu berechnen, als ob nur γ·z·Ka von der Oberfläche aus wirkt, und die Entlastung durch Kohäsion zu ignorieren.

Was passiert mit einer Gleichlast auf der Mauerkrone?

Eine Gleichlast q wird als konstante Erhöhung der Vertikalspannung behandelt. Ihr Beitrag zum Erddruck beträgt q·Ka·H (linear über die Höhe) und wirkt bei H/2 ab der Basis. Handelt es sich um eine Streifen- oder Einzellast, wird die Analyse mit Boussinesq durchgeführt.

Wann werden Ka und Kp vollständig mobilisiert?

Ka erfordert sehr kleine relative Verschiebungen in der Größenordnung von 0,001·H. Kp benötigt viel größere Verschiebungen (0,01-0,05·H) und wird daher bei der Mauerbemessung mit einem Reduktionsfaktor von 0,3-0,5 verwendet. Bei starren Bauwerken (oben eingespannte Kelleraußenwände) wird mit dem Erdruhedruckbeiwert K0 bemessen, der zwischen Ka und Kp liegt.

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