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Berechnung von Erdankern — Tragfähigkeit des injizierten Verpresskörpers und Länge

Erdanker übertragen Zugkräfte von Bauwerken wie Stützwänden, Tunneln und temporären Konstruktionen durch einen injizierten Verpresskörper in stabile Bodenbereiche. Dieser Rechner liefert die Grenzzugkraft (Pullout) und die Mindestlänge des injizierten Verpresskörpers für aktive vorgespannte Anker in granularer oder kohäsiver Bodenart, unter Berücksichtigung von Einpressdruck und Verpresskörperdurchmesser. Er folgt der Methode nach Littlejohn-Bruce (1976) und dem Leitfaden FHWA-IF-99-015, den Referenzstandards für die Bemessung von verankerten Wänden, Böschungsstabilisierungen und tiefen urbanen Baugruben.

Was ist das und wann wird es angewendet?

Ein Erdanker besteht aus drei Teilen: Ankerkopf (Krafteinleitung in das Bauwerk), freier Spanngliedabschnitt (nicht mit dem Boden verbunden, mit Kunststoffhülle ummantelt) und Verpresskörper (durch Zementinjektion unter Druck mit dem Boden verbundener Bereich). Der freie Spanngliedabschnitt stellt sicher, dass die Spannung fern der Bruchfläche übertragen wird; der Verpresskörper mobilisiert die Reibung mit dem Boden, um der Zugkraft zu widerstehen. Angewendet wird er bei verankerten Wänden für urbane Baugruben (U-Bahn, Tunnel), Böschungssicherungen mit vorgespannten Kabeln, Zugfundamenten von Sendemasten, maritimen Bauwerken (Trockendocks, Schleusen) und NATM-Tunneln mit Ankern. Nicht angewendet wird er in weichen Tonen (Su < 40 kPa) aufgrund von Kriechgefahr.

Angewandte Formeln

Grenzzugkraft in granularen Böden (Littlejohn-Bruce 1976):

Tult = π · D · L · σ'v · K · tan φ · n, mit n = Multiplikatorfaktor für Einpressdruck

D = effektiver Durchmesser des Verpresskörpers (> Nenndurchmesser durch Zementeindringung); L = Länge des Verpresskörpers; σ'v = effektive Vertikalspannung in der Mitte des Verpresskörpers; K = Seitendruckbeiwert (0,5 bis 2, je nach Niedrig- oder Hochdruckinjektion); n = 1 für normale Injektion, bis zu 3 für Nachinjektion

Praktische Vereinfachung (FHWA):

Tult = π · D · L · τult, mit τult = spezifische Mantelreibung des Bodens

τult: Sande 120-380 kPa, Kiese 200-700 kPa, steife Tone 50-150 kPa

Grenzzugkraft in Fels:

Tult = π · D · L · qa/10, mit qa = einaxiale Druckfestigkeit des intakten Gesteins (Hoek 1983, impliziter Sicherheitsfaktor)

Zulässige Spannung im Spannglied/Stab:

Tadm,stahl = 0,6 · fyk · A_stahl (Spannstahl fyk typisch 1.860 MPa, 7 Litzen φ = 15,2 mm, Querschnitt pro Litze 140 mm²)

Mindestlänge des Verpresskörpers (Bemessung):

Lverpress = FS · Tgebrauch / (π · D · τult), FS = 2 für dauerhafte, 1,5 für temporäre Anker

Mindestlänge des freien Spanngliedabschnitts:

Lfrei ≥ 5 m oder Tiefe bis zur aktiven Gleitfläche der Wand + 1,5 m (der größere Wert)

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Geben Sie Gebrauchslast, Verpresskörperdurchmesser und τult ein, um die Verpresskörperlänge und Tragfähigkeiten zu erhalten.

τult Referenz: lockerer Sand 100-150 · dichter Kies 300-500 · verwitterter Fels 600-1.000 kPa. FS = 2,5 dauerhaft; 1,5 temporär (PTI).

Berechnungsbeispiel

Anker für eine 12 m tiefe Schlitzwandbaugrube — Bürogebäude in urbanem Geschäftsviertel
ParameterWert
Gebrauchsspannung T400 kN (pro Anker)
Bodenart des VerpresskörpersDichter Kies (σ'v in 15 m Tiefe)
σ'v in Verpresskörpermitte250 kPa
φ' des Kieses38°
τult FHWA für Kies350 kPa (mittlerer Bereich)
Nennbohrlochdurchmesser0,12 m
D effektiv (mit Eindringung)0,15 m
FS (dauerhaft, DIN EN 1997-1 + DIN 1054)2,5
Zu verwendende Spannglieder4 Litzen φ 15,2 mm (A gesamt = 560 mm²)

Verpresskörperlänge nach vereinfachtem FHWA: Lverpress = FS·T / (π·D·τult) = 2,5·400 / (π·0,15·350) = 1.000 / 164,9 = 6,07 m. Wir wählen Lverpress = 6,5 m (baupraktische Rundung). Grenzzugkraft: Tult = π·D·L·τult = π·0,15·6,5·350 = 1.071 kN. Zulässige Tragfähigkeit: Tadm = Tult/FS = 1.071/2,5 = 428 kN > 400 kN erforderlich ✓. Überprüfung Stahl: Tadm,stahl = 0,6·1.860·560 = 624.960 N = 625 kN > 400 kN ✓. Mit 4 Litzen besteht Spielraum für eine 50 %ige Überspannung (Vorspannung beim Anziehen), was Standardpraxis ist. Länge des freien Spanngliedabschnitts: Bei einer 12 m hohen Wand mit Ankerkopf in 3 m Höhe verläuft die aktive Gleitfläche unter 45° + φ/2 = 64° ab Wandfuß = 9 m ab Ankerkopf. Lfrei min = 9 + 1,5 = 10,5 m. Gesamtlänge Anker = Lfrei + Lverpress = 10,5 + 6,5 = 17 m. Integritätsprüfung: Jeder Anker muss mit 1,25·T = 500 kN geprüft werden, wobei die Dehnung mit der tatsächlichen freien Länge konsistent sein muss.

Ergebnis: Lverpress = 6,5 m · Tult = 1.071 kN · Tadm = 428 kN · Gesamtlänge 17 m · 4 Litzen

Interpretation der Ergebnisse

Die Bemessung ist effizient: Der Verpresskörper überträgt 400 kN mit 6,5 m in dichtem Kies in einer Tiefe mit angemessener σ'v. Bei mitteldichtem Sand (τult = 180 kPa) würde die erforderliche Länge auf ~12 m ansteigen (fast eine Verdopplung). In weichen Tonen (τult < 50 kPa) sind Erdanker nicht mehr wirtschaftlich; man weicht auf passive Verankerungen (Tote-Mann-Systeme) oder Zugpfähle aus. Der horizontale Achsabstand der Anker ist kritisch: Bei Abständen < 1,5 m reduziert der Gruppeneffekt die individuelle Tragfähigkeit durch Überlagerung der Spannungsfelder (Bewertung mit einem Effizienzfaktor η ähnlich wie bei Pfählen). Empfohlener Achsabstand: 2,5-3 m von Mitte zu Mitte.

Referenznormen

Häufig gestellte Fragen

Dauerhafter oder temporärer Anker?

Dauerhaft: Nutzungsdauer > 2 Jahre, doppelter Korrosionsschutz (Hülle + wellrohrummantelte Injektion), verzinkter oder kathodisch geschützter Stahl, FS = 2,5. Temporär: Nutzungsdauer < 2 Jahre (z. B. Baugrube), einfacher Schutz, FS = 1,5. Temporäre Anker, die länger als 2 Jahre in Betrieb bleiben, müssen durch Nachinjektion zu dauerhaften Ankern ertüchtigt werden.

Stäbe oder Litzen?

Stäbe (GEWI, Dywidag): besser für kurze Längen (< 15 m), ermöglichen mechanische Kupplungen, einfach zu prüfen, Durchmesser 25-50 mm, praktische Grenze ~1.000 kN pro Stab. Litzenbündel: besser für große Längen (> 15 m), sehr hohe Tragfähigkeiten (bis zu 5.000 kN mit 22 Litzen), aufwändigerer Korrosionsschutz aber Standard bei Großprojekten. Die Wahl hängt von der Ankergröße und den Baustellenzugängen ab.

Wie werden Anker geprüft?

Abnahmeprüfung (alle Anker): Vorspannen auf 1,25·T und Überprüfung der Dehnung = erwartet ± 15 % sowie des Spannkraftverlusts durch Relaxation in 15 min < 5 %. Leistungsprüfung (5-10 % der Anker): stufenweises Vorspannen bis 1,5·T mit Dehnungs- und Verlustmessungen. Ausziehversuch (1-2 opferbare Anker): Vorspannen bis zum Bruch zur Ermittlung der tatsächlichen Tult. Die Ergebnisse werden mit dem Bemessungsmodell verglichen; bei Abweichungen wird die Länge angepasst.

Wann ist eine Nachinjektion erforderlich?

Die Nachinjektion ist eine zweite Zementeinpressung in den Verpresskörper unter Druck, nachdem die erste abgebunden hat, unter Verwendung eines Schlauches mit Rückschlagventil. Sie vergrößert den effektiven Durchmesser D und die radiale Spannung σ'radial um den Verpresskörper und erhöht Tult um 40-100 %. Angewendet wird sie in schwierigen Böden: lockere Feinsande, gesättigte Schluffe, Tone mit hoher Plastizität, und wenn bei begrenzten Längen hohe Tragfähigkeiten erforderlich sind.

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